Droht ein lustiger Bundestagswahlkampf?

von Ernst Corinth, telepolis vom 06.06.2005
Satiriker und Punks wollen offenbar gemeinsam in die Schlacht ziehen
Er ist wieder da: Karl Nagel, der schon Mitte der 90er Jahre das Internet nutzte, um mit seinen so genannten Medienviren, also gezielter Desinformation, anlässlich der Chaos-Tage in Hannover Presse und Polizei zu verwirren. Danach kandidierte er 1998 im Bundestagswahlkampf als Spitzenkandidat der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands (APPD). „Prophezeite“ – natürlich übers Netz – pünktlich zum Jahre 2000 und zur Weltausstellung erneut schwerste Chaos-Tage-Krawalle in Hannover (Punk im Netz ). Und sorgte dann mit dafür, dass 2002 auch mal München echtes Chaos-Tage-Feeling erleben durfte (Aus der bunten Welt der Medien ). Danach jedoch zog sich der Wahl-Hamburger fast völlig aus der Szene zurück, um als Grafiker und Comic-Zeichner zu leben.

Doch nun ist er plötzlich wieder da als Wahlkampfmanager der APPD. Das meldet jedenfalls die Punk-Partei:
Ein historischer Tag mit sich ständig überschlagenden Ereignissen liegt hinter uns: Nachdem bereits eine übergrosse Mehrheit der Pogo-Anarchisten unmissverständlich den Willen zur Wahlteilnahme bekräftigt hat, zeichnet sich nun das Grosse Asoziale Bündnis (GAB) am Horizont ab: mit Wolfgang Wendland als Kanzlerkandidaten, Karl Nagel als Wahlkampfmanager und der aus dem TITANIC-Umfeld hervorgegangenen PARTEI als Bündnispartner.

Dass die vom Satire-Magazin Titanic gegründete PARTEI nun der Bündnispartner von Nagels Punk-Partei, die übrigens mittlerweile eher eine Versammlung von Veteranen ist, werden könnte, überrascht schon ein wenig. Aber auch dafür hat die APPD eine einleuchtende Begründung. Da die PARTEI den Wiederaufbau der Mauer fordere, heißt es, sei sie ein idealer Bündnispartner, „denn in ihrer Asozialität will sie nichts anderes als erste wichtige Schritte zur Balkanisierung Deutschlands realisieren“.

Etwas zurückhaltender gibt sich Martin Sonneborn, gleichzeitig Chef des Satire-Magazins Titanic und der PARTEI. „Wir führen“, sagt er, „gerade politische Sondierungsgespräche, ähnlich wie WASG und PDS. Ich habe der APPD relativ sichere Listenplätze bei der PARTEI angeboten. Nächste Woche wird es ein Treffen geben zwischen Wahlkampfleiter Nagel und mir.“

Und wenn tatsächlich ein Bündnis dabei entstehen sollte, dann hat es zwar bei der Wahl kaum den Hauch einer Chance, aber zumindest der Wahlkampf verspricht beste Unterhaltung – dank Sonneborns Satiriker-Truppe und des ausgefuchsten Polit-Komikers Karl Nagel.