Flath bringt sich in Position

Im Deutschlandfunk – Interview – meint Sachsen Kulturminister Steffen Flath: „Das erinnert mich schon sehr an die DDR“.

Sachsens Kultusminister Steffen Flath hat den Vorstoß von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum Ausbau der Kinderbetreuung erneut kritisiert. Er glaube nicht, dass durch mehr Krippenplätze mehr Kinder geboren würden, sagte der CDU-Politiker. Zudem ignoriere seine Parteikollegin die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Danach sei es für das Kind besser, wenn es nicht schon im Alter von einem Jahr fremdbetreut werde.

Um sich gegen Frau von der Leyen als Wahrer eines traditionell klerikal-konservativen Familienbildes innerhalb der CDU zu profilieren, baut Herr Flath einen Popanz nach dem anderen auf und redet an der Wirklichkeit vorbei, sagt dagegen der familienpolitische Sprecher der Linksfraktion im Sächsischen landtag, Falk Neubert. „So erweckt er den Eindruck, als ginge es darum, Kinder in die Krippe zu zwingen, auch Kinder von Eltern, die das gar nicht wünschen, und als würden Mütter geringgeschätzt, die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren ausschließlich selbst betreuen.“ Er verweist darauf, dass zwar in Sachsen ein vergleichsweise gutes Angebot ist, es dennoch zum Teil lange Wartelisten für Krippenplätze gibt, ausschließlich von Eltern, die einen solchen wünschen. „Dies ignoriert der Minister geflissentlich.“ Flath ist der Auffassung, dass mehr Krippen in Sachsen nicht automatisch dazu führen, dass mehr Kinder geboren werden. „Aber auch das hat niemand ernsthaft behauptet“, sagt Neubert. Sehr wohl sind aber Kinderkrippen geeignet, die Bildungschancen der geborenen Kinder nachhaltig zu verbessern. Bildung muss, insbesondere zur Sicherung der Chancengleichheit, früh ansetzen, darin sind sich die führenden Bildungsexperten einig. „Wer, wie Herr Flath, allein auf die Familien als Sozialisations- und Bildungsinstanz im frühen Kindesalter setzt, nimmt bewusst in Kauf, dass sich die sozialen und Bildungsunterschiede bei den Eltern frühzeitig bei den Kindern reproduzieren.“