Auseinandersetzungen um Geschichtsbild

Die Linkspartei kehrt der DDR-Nostalgie den Rücken. Der „letzte“ Landesparteitag der Linkspartei.PDS vor der Parteineugründung hatte nochmal ein „altes“ Thema auf dem Tableau: Wie wird die DDR beurteilt?

Die Explosion unter den Stuckdecken des Saalbaus Neukölln hatte sich angekündigt. Der Vorstand um den jungen Landeschef Klaus Lederer wollte ein Zeichen setzen gegen die Gruppe der Dogmatiker um Sahra Wagenknecht, die „Kommunistische Plattform“ (KPF). Seit Jahren torpediert die Handvoll der Kommunisten die Entscheidungen der realpolitischen Parteiführung. Mal geht es um den umstrittenen Verkauf der Berliner Sparkasse, meist aber um das Selbstverständnis und die Geschichte der Partei. Diese öffentlichkeitswirksamen Nadelstiche wollte sich Lederer nicht mehr gefallen lassen und organisierte den Gegenangriff: Verteidiger des Stalinismus will der 32-Jährige nicht mehr stumm erdulden.

schreibt die
taz am 12.3.07 unter der Überschrift: Lederer schreibt Geschichte Auslöser der Auseinandersetzung zum Geschichtsbild war ein Papier der Kommunistischen Plattform, das den realen Sozialismus als legitim verteidigt. In der Stalinismus-Debatte würden Opfer und Täter vermengt und die Parteibasis verprellt. Delegierte wandten sich allerdings gegen den Anspruch auf absolute Wahrheiten. Es sei eine Lebensfrage der Linken, die Verletzung der eigenen Ideale und die nachwirkende Diskreditierung des Sozialismus durch stalinistische Praktiken und Denkmuster aufzuarbeiten. »Schlimme Dinge, aber auch große Erfolge« sieht Kurt Goldstein, Jahrgang 1914, Spanienkämpfer, Überlebender des Todesmarsches nach Buchenwald, in der DDR als Journalist tätig, Ehrenpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. Er ist Mitunterzeichner des Diskussionspapiers zur Geschichtsauffassung in der Linkspartei.PDS und meint in einem Interview in der jungenwelt: Die Linkspartei.PDS darf nicht im Rechtsopportunismus versinken. Zum Thema gibt es eine rege Debatte. Deutlich bleibt, die kritische Aufarbeitung der geschichte bleibt auf der Agenda und konstitutiv für das selbstverständis der Linken.