Wie Links sind die LINKEN in der Bildungspolitik?

Die < Sächsische Zeitung > geht in der Reihe der Frage nach: Was ist heute links?
Zum Thema Bildung befragte Karin Schlottmann den renommierten Bildungsforscher Michael Hartmann.

Wie links ist die Linkspartei in der Bildungspolitik? Die Linkspartei ist – auch aufgrund der DDR-Tradition – für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Das ist eindeutig positiv. In der Hochschulpolitik dagegen bietet sich, soweit ich es beurteilen kann, ein weniger einheitliches Bild. Zwar vertritt die bildungspolitische Sprecherin Nele Hirsch durchweg Positionen, die ich teile. Maßgebliche Politiker der Partei haben aber auch – wie zum Beispiel bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in Berlin – eine Politik gemacht, die ich falsch finde.

Zum Thema Studiengebühren meint er:

SPD und Linkspartei lehnen Studiengebühren ab, weil sie die soziale Auslese fördern. Aber ist es gerecht, dass eine Friseurin über ihre Steuern die kostenlose Hochschulausbildung des Arztsohns mitfinanziert?
Nein, dass sage ich den Studenten auch, die gegen Studiengebühren protestieren. Das Problem lässt sich ganz einfach dadurch lösen, dass diejenigen, die dank ihrer akademischen Ausbildung gut verdienen, später höhere Steuern zahlen, als das jetzt der Fall ist. Man müsste einfach die gesenkten Spitzensteuersätze wieder anheben. Das wäre gerechter und auch weniger bürokratisch als Studiengebühren. Höhere Spitzensteuersätze treffen die, die wirklich vom Studium profitieren. Studienkredite müssen dagegen auch Akademiker zurückzahlen, die arbeitslos sind oder sich mit schlechten Jobs über Wasser halten. Die Aussicht auf höhere Einkommenssteuern schrecken außerdem niemanden ab, in jungen Jahren ein Studium zu beginnen.