Quimonda und Co

Die Sächsische Zeitung vom 5. Dezember berichtet vomn den unschönen Seiten der Globalisierung.

US-Konzern Cypress schließt Designcenter

Die Entwicklung statischer Speicherchips in Dresden geht nach mehr als 20 Jahren zu Ende. Sie wird in Indien fortgesetzt.

Die Amerikaner beenden eine Geschichte, die bereits in den 1980er-Jahre begonnen hatte. Damals entwickelten Ingenieure des Zentrums für Forschung und Technologie Mikroelektronik Dresden nichtflüssige statische Speicher (NV-SRAM). 1995 wurde darauf der US-Chipentwickler Simtek aufmerksam.

Die Dresdner Simtek-Mannschaft wurde zur Europa-Zentrale, hatte mit ihren NV-SRAM-Lösungen für Computertechnik und Automobilelektronik einen großen Anteil am Erfolg – letztendlich aber vergebens. Im vergangenen September wurde Simtek von Cypress Semiconductor gekauft, für umgerechnet 36,3 Millionen Euro. Nun waren die Kalifornier Monopolist für NV-SRAM-Chips.

Noch kurz vor der Übernahme soll Cypress den Beschäftigten in Dresden den Ausbau der Niederlassung versprochen haben. Nun gehen die Entwicklungsarbeiten nach Indien. Dort betreibt Cypress zwei Designzentren in Bangalore und Hyderabat. Die indischen Chipentwickler erhalten dem Vernehmen nach einen weit geringeren Lohn als ihre sächsischen Kollegen.

Alan S. Blinder von der Universität Princeton – ehemaliger FED Vice Chairman und Präsidentenberater, lange Zeit ein Streiter für die Prinzipien des freien Handels sieht mittlerweile sieht erhebliche Risiken bei der Globalisierung zukommen.

Allerdings spricht er sich nicht für Protektionismus als Gegenmaßnahme aus, sondern dafür, dass Bildung und Ausbildung in den USA auf ein Niveau gebracht werden, von dem aus Unternehmen nicht einfach Arbeitsstellen dadurch zu ersetzen können, dass sie ins Ausland verlegt werden.

Das läßt sich unterschreiben, allerdings frage ich mich, ob er Globalisierung richtig verstanden hat, wenn er behauptet

Die modernen Telekommunikationsmedien haben seiner Ansicht nach die Regeln des Spiels verändert und die alten volkswirtschaftlichen Theorien dadurch modifiziert. Immerhin erlaubt die heutige Telekommunikationstechnologie von überall auf der Welt Angebote und moderne Services jederzeit bereitzustellen oder zu liefern.

Genau die moderne Kommunikation ist nach Ansicht der meisten Theoretiker eine der Grundlagen der Globalisierung. Aber, wie Cypress zeigt, selbst hoch ausgebildete Mitarbeiter müssen das globalisierte Lohngefälle fürchten.