Das Paulinum ist keine Kirche

Die Welt veröffentlicht heute einen schlecht recherchierten Text zum ersten Gotesdienst im neugebauten Paulinum Leipzig. Unter dem Titel Gebt uns diesen sakralen Raum zurück! soll offenbar der Eindruck erweckt werden, dass die Uni Leipzig (oder als Geldgeber der Freistaat Sachsen) einen Kirchenneubau auf ihrem Gelände errichtet. Auch wenn das der Wunsch eines kleinen Bürgervereins und wohl auch der sächsischen Staatsregierung war: Das Paulinum als universitätseigenes Gebäude vereinigt unter seinem Dach sowohl wissenschaftliche Institute, die Aula der Universität als auch ihren Andachtsraum. In Erinnerung an die Kirche, in der bis dahin die Universitätsgottesdienste stattfanden, wird der neue Andachtsraum im Paulinum den Namen „Universitätskirche St. Pauli“ tragen. Nur der Andachtsraum.
Aula und Andachtsraum können für größere Veranstaltungen über einen variablen & transparenten Raumteiler miteinander verbunden werden. Das passt natürlich einigen Leuten nicht, insbesondere der Paulinerverein ist lange dagegen Sturm gelaufen. Rektor Häuser kann nur gedankt werden, dass er so standhaft blieb. Sein Vorgänger Bigl ist entnervt zurückgetreten.
Das Paulinum als der „geistige Mittelpunkt“ der Universität soll multifunktional sein, geeignet für akademische Festakte, Gottesdienste, Proben und Konzerte von Chor und Orchester der Universität sowie für wissenschaftliche Konferenzen.

Nur noch mal zur Erinnerung, was die Leipziger wollen:

In einer Umfrage des Instituts für Marktforschung vom Oktober 2002 sprachen sich 39 Prozent für den Wiederaufbau der Paulinerkirche aus, 56 Prozent lehnten ihn ab. Bei einer erneute Bürgerbefragung Anfang Februar 2003 durch dasselbe Institut waren nur noch 31 Prozent für die Kirche, jedoch 66 Prozent dagegen.

Auf einer mdr Seite fndet sich eine gute Zusamenfassung des Streites, den der kleine Paulinerverein angezettelt hat und in dem Minister Rößler eine mehr als unrühmliche Rolle spielte.

Letztlich spielt das wohl eine Rolle – neben der Insolvenz des Architekten van Egeraat, dass die zweitälteste deutsche Uni ihre 600 Jahr Feier auf einer Baustelle feiern darf.