Studien zu Nichtwählern

Gleich drei Studien zu Nichtwählern sind in den letzten Monaten erschienen: Neben der von Güllners Forsa-Institut haben auch die Bertelsmann-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung entsprechende Untersuchungen vorgelegt. Und in diesem Punkt sind sie sich alle einig: Nichtwähler sind zwar eine heterogene Gruppe, die sich aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammensetzt, aber es dominieren Unterprivilegierte, Menschen mit geringer Bildung und geringem Einkommen, Jüngere und Menschen aus den neuen Bundesländern. Das lautstarke Kokettieren einiger Mittelschichts-Intellektueller mit einem Wahlboykott verstellt insofern möglicherweise den Blick auf ein großes Problem im Zusammenhang mit der Wahlbeteiligung, wie der Demokratieforscher Wolfgang Merkel betont:

Wolfgang Merkel „Wir wissen, dass mit jedem Prozent Rückgang Wahlbeteiligung ein Prozess eintritt, den wir soziale Selektion nennen. Das heißt, dass nicht generell die Wähler weniger zur Wahl gehen, sondern die unteren Schichten. Die Mittelschichten gehen keineswegs weniger zur Wahl als früher, aber die unteren chichten. Also, sie haben ein soziales Aussonderungsproblem, könnte man sagen, wo das untere Drittel der Gesellschaft praktisch aus der politischen Partizipation wegbricht. Also wir kriegen eine soziale Schieflage, ich würde das eine klassische Mittelschichtsdemokratie nennen, wir steuern meiner Meinung nach auf eine soziale Zwei-Drittel-Demokratie zu.“

Prof. Thorsten Faas (Uni Mainz): „Wenn Sie sich deutsche Großstädte angucken, dann können Sie feststellen, dass in bestimmten Stadtteilen, das sind dann häufig die Stadtteile, die wir als Problemviertel wahrnehmen, dass sie dort eine extrem niedrige Wahlbeteiligung haben, die teilweise im Bereich von 20, 30 Prozent liegt, während sie andere Stadtteile haben, die eher dann wohlsituierten Stadtteile, da liegen sie immer noch in den Bereichen, die wir so aus den 70er, 80er Jahren kennen, sprich: 70, 80, teilweise über 90 Prozent.“

Wolfgang Merkel: „Es ist tatsächlich sehr schwer, die unteren Schichten zu mobilisieren, die Parteien wissen in der Regel, dass sie nur schwer zu gewinnen sind, also nicht zu den Wahlen gehen, deshalb konzentrieren sie sich in aller Regel auf jene, von denen sie vermuten, dass sie relativ leicht zu mobilisieren sind.“
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/2224250/

Erst gestern gab es einen weiteren großen Beitrag im Deutschlandfunk. Ausführlich zu Wort kam Volker Ludwig, Geschäftsführer der DIG Berlin und eine Agentur, die DIE LINKE betreut.
Der Link zum nachhören