Wahlkampf: Was? Du willst heiraten? Aber du behältst schon deinen Namen?

Wenn man für eine politische Partei kandidiert begibt man sich in einen monatelangen Prozess hinein. Man muss bei einem Kreisverband oder Stadtverband vorstellig und im Ergebnis ausgewählt werden, um in einem Wahlkreis zu kandidieren. Das sollte ca. ein Jahr vor der Wahl passieren. Dann ist es bei der LINKEN auch sinnvoll, wenn man im Falle der Landtagswahl auch noch auf der Landesliste kandidiert. Denn in Sachsen ist es schwer, die CDU zu verdrängen und ein Direktmandat zu erringen. Aber über die Landesliste kann man bei entsprechenden Wahlergebnissen dennoch in den Landtag über die Parteistimmen bzw. die Zweitstimmen einziehen.

Nach der Aufstellung als DirektbewerberIn in einem Wahlkreis und einer Listenaufstellung begibt sich die Partei in einen Papierkrieg, um die sog. Wahlvorschläge bei den WahlleiterInnen in den Kreisen/Städten und im Land korrekt einzureichen. Bestenfalls hat auch die Presse schon über die Aufstellung im Wahlkreis berichtet und geschrieben, dass Lieschen Müller für die LINKE antritt. So weit so gut!

Gefahr im Verzug ist, wenn sich die frohe Kunde der Heirat von Lieschen Müller bis in die Wahlkampfleitung verselbständigt. Da fangen dort die Köpfe an zu rauchen. Fragen schwirren durch den Raum. Wie erklären wir das der Presse und dem geneigten Wähler, dass jetzt nicht mehr Lieschen Müller, sondern Lieschen Schneider zu wählen ist? Ist das überhaupt noch zu schaffen? Wie erklären wir dem Kreiswahlausschuss und dem Landeswahlausschuss, dass unsere KandidatIn bei der Nominierung Müller heißt und jetzt auf den Namen Schneider hört? Reicht eine einfache Erklärung oder braucht man da Heiratsurkunde und Beglaubigungen vom Amt? Wer kann uns dazu Auskunft geben? Kann in dem Wahlkreis eingeschätzt werden ob der neue Name vermittelbar ist? Und ganz ehrlich kommt auch die Frage auf: Muss das jetzt sein?

Schließlich braucht es dann Initiative, denn rumtigern durchs Büro und Formulieren von Fragen bringt auch nur bedingt weiter. Es gilt rauszufinden, ob Lieschen nicht eh viel lieber ihren Nachnamen behalten will. Das wäre doch die Lösung. Und so muss dann jemand beherzt bei Lieschen nachfragen, ohne ihr dabei die Vorfreude auf den großen Tag zu nehmen bzw. die Rückfrage zu riskieren, ob man noch ganz bei Trost ist.
Gesagt, getan! Im konkreten Fall konnten wir von Glück reden, dass Lieschen sich zum einen köstlich amüsiert hat über die Nachfrage und eine schnelle Einigung – namenstechnisch – herbeigeführt werden konnte. Nach Rücksprache mit den Zunkünftigen, versteht sich. Am Ende stand Lieschen Müller-Schneider auf dem Wahlzettel und alle waren zufrieden. Wiedererkennung sichergestellt.

Ja, es gibt viel zu bedenken, wenn Mensch zur Wahl antritt. Sogar auch den Hochzeitstermin bzw. die Namensfrage. Und es kann eben auch passieren, dass sich Partei sogar da einmischt.