Wir sind die Roten 2.0

Heute habe ich den Wahlwerbespot zur Landtagswahl meinen Eltern gezeigt. Großer Zufall, dass ich heute da war. Ein Kurzurlaub quasi. Muss auch mal sein. Jedenfalls haben wir die Gelegenheit genutzt, um ein bisschen über das, was ich den Tag so mache, zu reden. Und das ist zeitlich gar nicht so einfach, wenn man die ganze Zeit Kampagne macht… ;)

Jedenfalls: Irgendwann haben wir uns dann doch gemeinsam den Spot angeschaut. Man muss wissen: Meine Eltern sind keine Parteigänger. Sie waren niemals Mitglied der LINKEN. Oder einer der Vorgänger. Sie sind durchschnittlich politisch interessiert. Sie haben ihre Meinung. Ihre Haltung. Das ist, was ich an ihnen mag, wenn wir über Politik reden: Ich kann niemals erwarten, dass sie politisch reagieren. Sie reagieren menschlich. Das ist ein guter Gradmesser.

Ich gebe zu: Ein wenig hatte ich Angst davor, ihnen den Spot zu zeigen. Der Spot ist schließlich irgendwie anders: Viel Inhalt kommt darin nicht vor (auch wenn ich ganz viel Inhalt reindeuten könnte. Lassen wir das aber einfach mal beiseite). Als wir uns für diesen Spot entschieden haben, war uns das bewusst. Wir wussten um den Spot 2009 – vielkritisiert -, der voller Inhalt steckte. Wir wussten um den Spot 2004 – vielkritisiert -, der auch mit Indianern aufmachte und so wirklich keinen Inhalt liefern wollte. Aber eine Haltung: Kopf hoch, Selbstbewusstsein, Augenzwinkern. Nur nicht zu Ernst nehmen und dennoch dabei bleiben: Wir sind die Guten. Das sollte Überzeugung sein in einer Partei, die sich gegen herrschende Politik verständigt.

Nun, wir haben uns entschieden, eine Fortsetzung von 2004 zu produzieren. Das Ergebnis ist seit heute online und kommt demnächst im MDR. Wir haben zur Stunde rund 40.000 Menschen mit dem Spot erreicht. Und ja, es gibt negative Stimmen zum Spot, genauso wie positive. Logisch. Der Spot polarisiert.

Nun ja. Ich hatte also 1:28 Minuten, um meine Eltern zu überzeugen. Der Spot lief an. Ungläubigkeit. „Indianer? Wirklich?“… Ruhe. Aufmerksamkeit. Grinsen. Fin. Noch mehr Grinsen. Und die Erkenntnis: Zumindest diese beiden Menschen, die ich nun weiß Gott nicht wirklich oft überzeugen kann, waren überzeugt von dem Spot. „Toll“. „Mir gefällt der super“. „Indianer! Hah!“. Der Spot kam an.

Und in mir ein wenig Beruhigung: Wir werden mit unserem Spot nicht jeden überzeugen können. Ja, der Spot vermittelt nicht die drei, vier wichtigen Punkte unseres Programms. Aber: Er öffnet eine Tür. Einen Spalt weit. Und durch diese Tür können wir treten. Ich für meinen Teil bin beruhigt: Der Elterntest ist bestanden… ;)